| Poznan 2007 |
Deutsch-Polnischer Jugendaustausch in Poznan
vom 25.06.2007 – 01.07.2007
„Was heißt eigentlich
„Hallo“ auf Polnisch?“
„Na,
„Hallo“ heißt „Hallo“, das bleibt immer so.“
Damit wurde im Zug, nach unserer Abreise aus Kassel, schon mal die erste
wichtige Frage beantwortet, nämlich wie wir die polnischen Schüler überhaupt in
ihrer Landessprache begrüßen sollten. Und so warteten wir gespannt ab bis unser
Zug endlich die deutsch-polnische Grenze passierte.
Denn wir alle, 15 Schüler verschiedener Jahrgangsstufen, waren Herr Edelmanns Aufruf zum deutsch-polnischen Filmworkshop vom 25.06.2007 – 01.07.2007 nach Posen/Poznan gefolgt, der sich dieses mal mit dem Genre Musikvideo auseinander setzten sollte. Zu wiederholtem Mal betreute Herr Edelmann dieses Projekt mit Unterstützung von Frau Madloch, die nicht nur als Begleitperson, sondern auch als Dolmetscherin und Vermittlerin für kleine und große Verständigungsprobleme mitreiste.
Nach der langen Zugfahrt und einem Umstieg in Berlin erreichten wir gegen Nachmittag den Bahnhof in Posen. Wir wurden bereits von Dorothea erwartet, die uns ebenfalls als Dolmetscherin helfen wollte, sprachliche Barrieren zu überwinden. Nachdem unser Gepäck in zahlreichen Taxis verstaut war, fuhren wir zu unserem Quartier in Kiekrz, das etwas außerhalb von Poznan lag. Dort bezogen wir unsere Zimmer und wurden schon von den polnischen Schülern erwartet und freundlich begrüßt. Es folgten einige Kennlernspiele und schon war die anfängliche Scheu überwunden und die ersten polnischen Ausdrücke wurden gelernt. Bei dem anschließenden Informationstreffen erfuhren wir schließlich genaueres über den Ablauf der nächsten Tage: Durch verschiedene Vorträge einiger Fachleute, wie zum Beispiel eines Kameramannes und eines Regisseurs, sollten wir uns zunächst thematisch mit dem Musikvideo auseinander setzten, um dann schließlich in kleineren gemischten Gruppen selbst mit Hilfe dieser Vorkenntnisse ein Musikvideo zu erstellen, das bedeutet zu drehen und zu schneiden. Zu diesem Zweck sollte am Abend ein Konzert einer polnischen Metallband stattfinden, denn zu einem ihrer Songs sollten wir ein passendes Video produzieren und deshalb waren Live-Aufnahmen der Band nötig. Leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung: das Konzert musste wegen Regen abgebrochen werden. Wir verbrachten den weiteren Abend damit, uns verschiedene Musikclips anzusehen, um so einen Überblick über die Geschichte des Musikvideos zu bekommen.
Der darauf folgende Tag begann nach dem Frühstück mit einem Vortrag des polnischen Regisseurs Pawel Czarzasty, der uns anhand verschiedener Videobeispiele erklärte, worauf man beim Dreh und bei der Vorarbeit zum Video achten sollte. Diese Tipps wurden nach dem Mittagessen durch den Vortrag des polnischen Kameramannes Rafal Jezak noch erweitert. Er erklärte vor allem worauf man beim Filmen Wert legen sollte. Mit diesem Wissen ausgestattet trafen wir uns anschließend in Kleingruppen um zunächst ein Lied auszuwählen und ein Konzept zu erarbeiten. Trotz verschiedener Ideen und unterschiedlichen Sprachen erstellte jede Gruppe ein Konzept, dass am Abend mit Rafal Jezak eingängig besprochen wurde. Am nächsten Tag war es endlich soweit: Wir begannen mit dem Dreh und alle Gruppen stürmten mit ihren Kameras los. Es wurden Requisiten besorgt, Darsteller geschminkt und Drehorte, sei es in der Stadt oder am nahe gelegenen See, besucht. Das ganze Material musste an diesem Tag abgedreht werden, deshalb galt es keine Zeit zu verlieren. Einige Akteure überstanden wahrhaftige Mutproben, als sie bei niedrigen Temperaturen und starkem Wind für das Video im kalten See baden gingen. Andere filmten waghalsige Verfolgungsjagden im Wald und am Abend waren alle Aufnahmen im Kasten.
Der Donnerstag stand ganz im Zeichen des Schnitts, denn an diesem einen Tag sollten die Videos komplett fertig gestellt werden. Die Filmsequenzen wurden also zunächst auf den Computer geladen, sortiert und schließlich zusammen geschnitten. Für viele bot sich hier die Möglichkeit erste Erfahrungen mit dem Schneiden zu sammeln, allerdings zeigte sich auch, dass das Schneiden mühsam sein konnte, denn Bild und Ton harmonisch zusammen zu bringen erforderte viel Zeit und Geduld. So nahm der Schnitt den ganzen Tag in Anspruch und am Ende waren, trotz ein paar technischen Probleme, alle Videos zum Vorführen bereit. Beim Lagerfeuer am Abend war die Stimmung dementsprechend ausgelassen und in geselliger Runde und bei Musik ließen wir den Tag gemeinsam ausklingen.
Ohne Zeitdruck verließen wir am Freitagmorgen unser Quartier, um zu einem Einkaufszentrum in Poznan zu fahren und dort unsere Zlotys auszugeben. Die polnischen Schüler fuhren währenddessen zu ihrer Schule wo sie für uns und einige deutsche und englische Touristen des Projekts Sisi eine besondere Überraschung bereithielten. Als wir gegen Mittag in der Schule eintrafen wurden wir alle in verschieden Gesellschaftsschichten, wie Arbeiter oder Parteigenossen, eingeteilt. Ziel dieses Happenings war es uns einen lebendigen Eindruck in die Zeit der PRL, der Polnischen Volksrepublik, zu geben, die ähnlich wie die DDR von dem scheinbaren Kommunismus geprägt war. Auch das Mittagsessen wurde in dieser „Zeitreise“ eingenommen und durch die verschiedenartige Behandlung während des Essens wurde noch einmal die Ungerechtigkeit dieser Zeit deutlich. Anschließend bot eine Filmvorführung mit Diskussionsrunde Platz für Fragen über die PRL und ihren Bezug zur heutigen Zeit. Die polnischen Schüler hatten allerdings noch etwas vorbereitet: in kleiner Runde präsentierten sie musikalische Erinnerungen ihrer Eltern und sangen polnische Lieder, wobei einige gute Gesangskünste zum Vorschein kamen. Diese mühevoll einstudierte Vorführung wurde mit der Präsentation von zwei von den Schülern erstellten Videos abgerundet, die sich ebenfalls mit Erinnerungen und dem Vergehen der Zeit beschäftigten. Schließlich stand nun nur noch die Vorführung unserer selbst erstellten Musikvideos aus. In einem Klassenraum wurden alle Clips vorgeführt und das endgültige Resultat von Rafal Jezak kritisch beurteilt. Trotz kleiner Mängel, die an jedem Video zu finden waren, war das Ergebnis durchweg positiv: In so kurzer Zeit ein Musikvideo zu produzieren, noch dazu mit wenigen bis keinen Vorkenntnissen, war für alle eine anstrengende aber auch schöne Erfahrung, auf die jeder stolz sein konnte.
Demnach hatten wir uns die filmfreie Freizeit am Samstag auch redlich verdient. Den Tag verbrachten viele bei polnischen Freunden, sei es in ihren Familien oder bei einem gemeinsamen Einkaufsbummel in der Stadt. So nutzten alle die Gelegenheit den polnischen Alltag und die Kultur noch einmal hautnah zu erleben oder die relativ niedrigen Preise in Polen zu nutzen und die restlichen Zlotys auszugeben. Für unser letztes Abendessen kehrten wir in einem Restaurant in der Altstadt von Posen ein, denn von dort aus hatten wir es nicht mehr weit zum MALTA-Festival, einer Vorführung verschiedener kleiner Theaterstücke oder Pantomimen überall in der Stadt verteilt. Von diesem kulturellen Programm begleitet genossen wir unseren letzten Abend in Polen.
Am Sonntagmorgen war es nach dem Frühstück dann soweit: Die Heimfahrt stand an. Die voll bepackten Taxis fuhren uns zum Bahnhof wo die polnischen Schüler bereits auf uns warteten. Der Abschied fiel allen sichtlich schwer und als der Zug in den Bahnhof einfuhr flossen einige Tränen. So machten wir uns mit ausgetauschten Telefonnummern und Adressen, vor allem aber mit vielen neuen Erlebnissen und Erfahrungen auf den Heimweg. Außerdem wussten wir, es war kein Abschied für immer: schon bald werden einige junge Polen in den Zug in Poznan einsteigen und nach Kassel reisen, zum Gegenbesuch.
Unser aller Dank gilt
unseren geduldigen Betreuern Herr Edelmann und Frau Madloch, die uns mit ihrer
fachlichen und sprachlichen Kompetenz sehr geholfen und den Austausch erst
möglich gemacht haben. Auch die polnischen Helfer, Betreuer und Experten vor Ort
verdienen unseren Dank für ihre Unterstützung. Und natürlich danken wir den
polnischen Schüler/innen, die uns freundlich empfangen haben und uns ihr Land
und ihre Kultur auf eine persönliche Art und Weise gezeigt haben. Vielen Dank,
dziękuję bardzo!
Bericht: Inken
Stremetzne
Dank: Mara Abram, Theresa Astner, Paul Beigang, Verena Faust, Steffen Fölsch, Mattis Hohmann, Claudia Introvigne, Maria Madloch, Alex Morales, Annalena Morra, Pia Sattmann, Simon Schäler, Hannah Stiebeling, Clara Stieglitz, Inken Stremetzne
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