Miramar
Im Austausch über Glaubensfragen und unser tägliches Leben als Christen können wir uns gegenseitig wichtige Impulse geben und unseren Horizont erweitern.„Ein Glied unterstützt das andere nach dem Maß seiner Kraft. So wächst der Leib und baut sich selbst auf in der Liebe.“ Epheser 4,16
Ein schönes Bild für die weltweite Gemeinschaft von Christen. Wir wollen uns gegenseitig achten und aufeinander hören. Wir wollen die kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründe des anderen verstehen lernen. Wir wollen uns kritisch auseinandersetzen und so als ganz verschiedenartige Menschen üben, was es heißt, zum Leib Christi zu gehören.
1985 feierten die Ursulinen weltweit das 450- jährige Bestehen ihres Ordens. Auch wir in Fritzlar feierten mit. Bei der damaligen Projektwoche ist der Wunsch nach einer Partnerschule aufgekommen. Was lag näher, als die von den Fritzlarer Schwestern gegründeten Ursulinenwerke in Peru anzusprechen. In Sr. Walburgis, Schwester Xaveria und Schwester Irmengard, die lange Jahre in Peru gewesen waren, fanden wir die richtigen Ansprechpartnerinnen.
Nach dem allmählichen Abbau der Schule der Ursulinen in Fritzlar und der endgültigen Schließung durch den Nationalsozialismus und die Gestapo in den 30er Jahren wanderte ein Teil der Schwestern nach Lima/Peru aus und gründete dort eine Mädchenschule. Nach schweren und schwersten Anfängen entwickelte sich die Gründung im Innern der Stadt im Verlauf der Jahre zu einer Niederlassung mit rund 1000 Schülerinnen.
Als sie selbst aus den größten Nöten heraus waren und nach dem Krieg sich auch die Verbindung mit dem Mutterhaus in Fritzlar geordnet hatte, richtete sich ihr Augenmerk immer mehr auf die Armut am Rande der Stadt, ein Landstrich direkt am Meer (Mira- schau – mar-das Meer).
Familienprobleme ohne Zahl in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht, verlassene Familien, unmenschliche Wohnungen, Schmutz und Krankheit begegneten den Schwestern. Die ersten Vorstöße unternehmen die Schwestern, indem sie mit ihren Schülerinnen in ihrer Freizeit in den Slums, in einem armseligen kleinen Raum mit ihrer Arbeit beginnen. 1952 vertraut der Bischof von Lima das Armenviertel von Miramar offiziell den Ursulinen an. Dieses Werk wird bis heute von Ursulinenschwestern geleitet.
Das Projekt Miramar
Sr. Erika berichtet:
„Die
Schule „San Jose“ fängt mit dem Kindergarten an. Um die 250 Kinder ab dem
zweiten Lebensjahr besuchen täglich bis 16.00 den Kindergarten. Bevor die Kinder
aufgenommen werden, besuchen die Schwestern die Familien. Denn die Plätze sind
nur für die Ärmsten bestimmt. Es ist oft erschütternd, was wir bei diesen
Hausbesuchen sehen und erfahren: Verlassene Frauen, manchmal auch Väter, die um
den Lebensunterhalt kämpfen müssen. Viele haben keine feste Arbeit oder sind
arbeitslos, oft verkaufen sie Süßigkeiten auf der Straße, waschen Wäsche, einige
bewachen Häuser, die gebaut werden und leben da so lange, bis die Häuser fertig
sind, verdien wenig, haben keine Krankenversicherung. Der Wohnraum ist sehr
reduziert, häufig Küche und Schlafzimmer in einem Raum, ein Etagenbett, unten
schlafen die Eltern oben die vier Kinder. Die moralischen Verhältnisse kann man
sich vorstellen. Was wir auch beobachten, ist, dass durch die Armut die
Ernährung schlecht ist und dadurch die Menschen anfälliger für Krankheiten sind.
In die Grundschule -
erstes bis sechstes Schuljahr - gehen 520 Kinder, die meistens vom Kindergarten
in die Schule kommen, also aus den gleichen Verhältnissen stammen.
Miramar versucht die
Kinder integral zu fördern, also nicht nur Unterricht zu geben. Wichtig ist die
Schulspeise, so dass die Kinder überhaupt fähig sind, den Lehrstoff aufzunehmen.
Außerdem gibt es eine Volksküche. Jeden Tag werden ca. 250 Portionen ausgegeben.
So bekommen im Ganzen jeden Tag um die 1000 Menschen etwas zu essen, auch dank
eurer Hilfe. Zur Behandlung der Kranken kommen ein Kinderarzt und ein
allgemeiner Arzt jeweils einmal in der Woche. Meistens müssen wir bei den
Medikamenten helfen. In der letzten Zeit haben wir auch viele Krebskranke
entdeckt, oft im unheilbaren Zustand, Eltern unserer Kinder. Aus Geldmangel
gehen sie oft erst spät zum Arzt, wenn sie sich ganz schlecht fühlen. Soweit wir
können, helfen wir bei der Behandlung. Eine andere Hilfe, die wir anbieten, sind
zwei Psychologinnen, die unsere Schüler und oft auch ihre Eltern betreuen.
Wir ihr seht, ist das Projekt Schule nicht auf den Klassenraum begrenzt, sondern umfasst die ganze Person, eine integrale Betreuung dieser Kinder, die an so vielem leiden. Natürlich kostet das alles Geld, das Essen, die Ärzte, die Psychologen, Material für die Handarbeiten.... das sind monatliche Ausgaben, die aber nötig sind, um das Leben unserer Kinder und ihrer Familien zu erhalten und zu verbessern.
Darum
ist jede Hilfe willkommen. Unsere Schule Santa Ursula hilft mit, unterstützt mit
Geld das Gehalt einiger Hilfskräfte und jedes Kind spendet monatlich ein
Kilogramm Lebensmittel für die Kinder in Miramar. Außerdem helfen sie unseren
Schwestern in den Anden. So verstehen wir auch hier, Solidarität zu leben. Aber
das reicht nicht.
Darum sind wir sehr dankbar, dass wir von euch, der Ursulinenschule in Fritzlar
in Miramar weiterhin unterstützt werden. So kann die Pflanze, die Fritzlarer
Schwestern gepflanzt haben, weiter gedeihen.“
Heute leben im peruanischen Konvent noch 7 deutsche Schwestern und 12 Schwestern anderer Nationalität. Zwei stammen aus Fritzlar. Die Korrespondenz kann also in deutsch geschehen. In Miramar arbeitet leider keine deutschsprechende Schwester.
In der Schule Santa Ursula wird Deutsch als erste Fremdsprache gelehrt.
Partnerschaft entwickeln – Partnerschaft fördern – Partnerschaft beleben
Die partnerschaftlichen Kontakte und Hilfen werden aufrecht erhalten durch eine
- Partnerschafts- AG
- Klassenkontakte
- Weihnachtliche Backstube
- SV Aktionen
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