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Die Theateraufführungen der Ursulinenschule Fritzlar |
"Am liebsten feuerscharf"
Biedermann und die Erotik
Theater-AG der Ursulinenschule Fritzlar: "Biedermann und die Brandstifter" von Max Frisch
Spielleitung: Frank Lambert'
Die beiden Stücke "Biedermann und die Brandstifter" und "Andorra" von Max Frisch gehören immer noch zu den meistgelesenen Theatertexten in der Klasse 10, und oft - wenn die Besprechung gut war - wünschen sich dann Schüler; das Stück, das sie gelesen haben, aufzuführen, so dass die beiden Stücke auch sehr oft auf der Schultheaterbühne zu sehen sind. Das ist bei "Biedermann" schwieriger als bei "Andorra" und geht oft nicht gut, weil die Personen bei Frisch zwar scheinbar sehr plakativ angelegt sind, in Wirklichkeit aber nicht nur eine Menge Kritik an der Gesellschaft, für die sie damals geschrieben wurden und die zum großen Teil auch heute noch gilt, enthalten, sondern. auch mit einer augenzwinkernden Hinterhältigkeit das Publikum als "Biedermänner" beleidigen. Das ist für Jugendliche nur schwer darzustellen.
Die Inszenierung, von der hier zu. berichten ist, umgeht dieses Problem - eher aus Verlegenheit - aber sehr geschickt. Die beiden Brandstifter werden nämlich von Mädchen gespielt, und die legen Biedermann nicht mit der sonst üblichen Mischung aus Unterwürfigkeit und Bedrohung herein, sondern becircen ihn mit ihrer Weiblichkeit. Wenn "Maria" Eisenring Biedermann erklärt, dass Ehrlichkeit die beste Tarnung ist und er sie dabei kaum ansieht, umso mehr ihre vorn sehr kurzen Rock nicht bedeckten Oberschenkel anstarrt, dann gewinnt das Stück eine völlig neue Qualität: Dieser Biedermann ist nicht nur ein Kleinbürger und Stammtischschwätzer schlimmster Art, sondern auch ein Verklemmter, der sich seine Wünsche nicht einmal selbst gestehen darf, schon gar nicht den beiden Frauen, die sich da bei ihm eingenistet haben.
Diesen Ansatz, den die Gruppe vor allem in den ersten Szenen sehr schön zeigt, hält sie nicht ganz durch, gegen Ende hin spielen die beiden Frauen dann doch wieder eher die Ganoven, statt ihre weiblichen Reize weiter einzusetzen, bis dem Biedermann die Geilheit das Denken unmöglich macht. Man müsste sehen, wie er sie haben will, obwohl er Angst vor ihnen hat. Da hätten sie einfach ein bisschen mutiger sein müssen.
Biedermann selbst ist in der Inszenierung eher konventionell angelegt, sehr laut, manchmal undifferenziert, aber vor allem am Anfang überzeugend in seiner Hilflosigkeit gegenüber den direkten Angriffen der "Josephine" Schmitz, die ihn so schön fertig macht, indem sie ihn anmacht, wie das der Ringer Schmitz bei Frisch nie schaffen kann. Insofern ist das Zusammenspiel der drei Hauptfiguren sehr interessant, aber vielleicht noch ein bisschen ausbaufähig.
Mutig ist auch, dass die Inszenierung den Chor der Feuerwehrleute durchgängig als Chor auftreten, ihn sehr gut sprechen lässt und sehr durchdacht in Bewegung hält. Gut überlegt war auch die Halbmaske, um die Männer als allgemeine Wächter zu charakterisieren. Nicht eingeleuchtet hat mir, dass der Chor in weißen Arztkitteln auftritt, dafür gibt es keine Erklärung. Für mich wären da Feuerwehruniformen oder Feuerwehrschutzanzüge doch überzeugender.
Noch etwas kann man an der Produktion loben: Der Frisch-Text ist sehr geschickt gekürzt. Es gibt - vor allem beim Chor - keine Längen, und der innere Zusammenhang bleibt völlig erhalten. Auch dass Knechtling nicht auftritt, ist ganz überzeugend, denn dieser Biedermann' ist viel weniger betrügerischer Haarwasser;. Produzent oder skrupelloser Geschäftsmann, sondern vielmehr frustrierter, unterdrückter Ehemann, der eine sauertöpfische Frau hat, die ihre Gefühle nur in bösen Mienen und schrillen Schreien äußern kann.
Eine gescheite Aufführung, die vom Publikum mit viel Beifall bedacht wurde.
Günter Wagner
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