Bettina-von-Arnim-Forum - Veranstaltungen 2009
Die Frau vom LindenbaumSabine Wackernagel las in der Ursulinenschule aus den Briefen Bettina von Arnims
Von Bettina Mangold aus HNA v. 24.05.09
FRITZLAR. "Komm doch, ich bin Dein Weib," schrieb Bettina von Arnim an ihren frisch angetrauten Ehemann. Und später: "Lange Briefe kann ich Dir nicht schreiben, denn das Geschrei der Kinder und Müdigkeit halten mich ab." Die Schauspielerin Sabine Wackernagel arbeitete bei ihrer Lesung in der Fritzlarer Ursulinenschule diese Gegensätze heraus.
Gegensätze zwischen romantischer Liebe und profanen Alltagssorgen im Eheleben der Bettina von Arnim (1785 bis 1859), Schriftstellerin, siebenfache Mutter und Goethe-Verehrerin. Anfang des 19. Jahrhunderts entstand dieser Briefwechsel.
Bettina von Arnim war eine zeitlang Ursulinenschülerin in Fritzlar gewesen.
Eingeladen hatte das Bettina-von-Arnim-Forum der Ursulinenschule. Anlass für die Lesung war der Todestag der Schriftstellerin, der sich im Januar zum 150. Mal jährte.
20 Jahre lang war Bettina von Arnim mit ihrem Mann verheiratet gewesen. Durch die räumliche Trennung des Paares entstand ein umfangreicher Briefwechsel. Überliefert sind tausend Briefe, die nicht nur einen Einblick in die Beziehung zwischen den Eheleuten, sondern auch in das Leben des verarmten Adels im 19. Jahrhundert geben. Die Briefe zeigen auch das schriftstellerische Talent und die facettenreiche Persönlichkeit Bettina von Arnims.
Sabine Wackernagel nahm das Publikum mit auf eine Zeitreise. Durch die Ausschnitte aus den Briefen, die sie in ihrer Lesung ausdrucksvoll vortrug, konnte sich das Publikum einfühlen in die Alltagssorgen des Ehelebens der Bettina von Arnim.
Ob es um ihre Einsamkeit, um fehlende Vorräte, Probleme der Kindererziehung oder um Bettwanzen ging - Bettina von Arnims feine Ironie und ihr Humor erheiterten die Zuhörer, die Einblicke in ihr Leben stimmten aber auch nachdenklich und zeigten eine eher unbekannte Seite der Schriftstellerin.
"Sabine Wackernagel schaffte es wunderbar, die Emotionen in den Briefen der Schriftstellerin zu verdeutlichen", lobte Christian Henze von der Ursulinenschule die Lesung. Im Anschluss wurde die Linde im Klostergarten besichtigt, in deren Rinde Schnitzereien zu sehen sind, die von Bettina von Arnim während ihrer Zeit als Internatsschülerin stammen sollen, wie Geschichtslehrerin Dagmar Lohmann berichtete.

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