Bettina-von-Arnim-Forum
Zu Gast an der Ursulinenschule Winfried Henze
Den Ursulinenschülern berichtete Pastor Henze von einer erstaunlichen Geschichte, auf die er bei einer Reise nach Argentinien vor zwei Jahren gestoßen war. Dort hatten Jesuiten vor 250 Jahren ein Experiment gewagt. Sie richteten mitten im Dschungel für die einheimische Bevölkerung Siedlungen ein, die Reduktionen genannt werden.
Der spanische König hatte den Missionaren eine gewisse Autonomie für das Gebiet gewährt. So sei es den Mönchen gelungen, die Indios vor Angriffen und Plünderungen der spanischen Siedler zu schützen. Auch vor der Sklaverei seien sie in den Siedlungen sicher gewesen.
"Sie haben dort eine umwerfende Kulturarbeit geleistet", sagt Henze über die Reduktionen. Zentrum der Siedlungen seien prächtige Barockkirchen gewesen. Sogar Ansätze eines Sozialstaates seien im Länderdreieck Argentinien, Brasilien und Paraguay verwirklicht worden, unter anderem mit der Krankenversorgung. Auch wirtschaftlich hätte es funktioniert, unter anderem durch den Handel mit Mate-Tee.
Allerdings habe die Wirtschaft nicht im Mittelpunkt gestanden. Das fordert Henze auch von der aktuellen Entwicklungspolitik. Die Hochachtung der Menschenwürde müsse das Zentrum sein und das auf Grundlage des christlichen Menschenbildes. Das Experiment im Dschungel hatte 100 Jahre Bestand. Das Aus sei durch Druck von außen gekommen, im Inneren hätten sie gut funktioniert. Henze: "Die Jesuiten haben sich verschenkt für diese Menschen."
aus HNA (ode) Foto: Maßmann/nh
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