Theateraufführung "Bäng, Bäng, you're dead"
"Warum hast du mich getötet?"
Am Abend des 2. September ist es still im Treffpunkt der Ursulinenschule Fritzlar. Der Raum, der sonst von Kinderstimmen und Kinderlachen erfüllt ist, bleibt ruhig. In dem Moment, als die Lichter auf der Bühne angehen, verstummen alle Gespräche. Eine einzelne Gestalt tritt in den Vordergrund, ganz in schwarz, mit dunkler Sonnenbrille:
Josh, der Amokläufer, Mörder seiner Mitschüler.
Das Stück „Bang Bang you`re dead“, gespielt vom Kurs Darstellendes Spiel des Jahrgangs 13, beginnt erst danach, erst nach der eigentlichen, blutigen Tat.
Der Amokläufer ist umringt von seinen Opfern, die Leichen liegen um ihn verstreut. Nach und nach stehen sie auf, wenden sich an Josh und fragen ihn, warum sie sterben mussten, warum er sie alle einfach erschossen hat. Zuerst ist die Antwort für ihn klar: Weil es Spaß gemacht hat, weil er es so wollte und: weil er es konnte.
Im Laufe des Stückes erfährt man jedoch durch Rückblicke immer mehr über ihn und sein Leben:
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Über seine Familie.
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Über seine Freunde.
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Über seine Hobbys.
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Über sein Leiden.
Mehr und mehr werden die Gründe für seine Tat aufgedeckt. Die Frage, wie ein vermeintlich guter und beliebter Schüler zu einem Amokläufer werden kann, wird ansatzweise geklärt.
Dann wird er dafür verurteilt, vor einem Gericht schuldig gesprochen und lebenslang in die Psychiatrie eingewiesen. Doch egal was Josh auch tut, oder was ihm widerfährt, die Geister der Toten verfolgen ihn.
Sie verlassen ihn nie, sind immer da, blutverschmiert, mit wütenden, traurigen und anklagenden Blicken.
Irgendwann beginnt dann auch er zu begreifen, was er tatsächlich getan hat.
Selbst Josh – der zu Beginn so mitleidslos und kalt erschien – erkennt seine Schuld.
Inmitten seiner Opfer lässt er sich zu Boden fallen. Eine einzelne schwarze Gestalt zwischen lauter weiß und rot. Er sinkt in sich zusammen, vollkommen niedergeschmettert von seiner Erkenntnis. Mit dem, was ihm zuerst wie ein harmloses Spiel vorkam, hat er nicht nur das Leben seiner Mitschüler, sondern auch sein eigenes zerstört.Drehte man sich während der Vorstellung einmal um, konnte man überall dasselbe sehen: Gesichter, die gespannt auf die Bühne starren. Niemand redet mit seinem Nachbarn, niemand schreibt SMS, niemand schläft oder starrt gelangweilt an die Wand.
Alle blicken nach vorne (eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass der Großteil des Publikums aus Schülern bestand). Auf ihren Gesichtern sieht man immer den gleichen Ausdruck. Abscheu, wenn Josh am Anfang seine Opfer auslacht. Trauer und Mitgefühl, wenn die Toten über ihre kurze Vergangenheit und ihre verlorene Zukunft sprechen.Schrecken, wenn Josh plötzlich schreit, all seine gestaute Wut herauslässt, auf den Boden trommelt, und dem Zuschauer dabei die Ohren schmerzen. Ab und an geht ein Raunen durch die Menge, ein aufgeregtes Flüstern, ein Seufzen. Dann wieder wird förmlich kollektiv die Luft angehalten, bis man endlich weiß, was als Nächstes passiert.
Bei diesem Stück war es wohl eher die Ausnahme, wenn einer der Zuschauer keine Gänsehaut bekam, als zwischendurch unheimliche Musik und schreiende Stimmen durch den Raum hallten. Oder wenn es einen nicht fröstelte, als die Verstorbenen im Chor sprachen und raunten.
Genauso gab es hier wohl auch niemanden, der nicht begeistert war von der Besetzung.
Die Leistung des 13er Kurses von Herrn Lambert war durchweg gut.
Keine Patzer, keine Pannen (oder zumindest hat man solche nicht bemerkt), alles lief perfekt. Nennen müsste man nun eigentlich die Namen aller, doch besonders herausragend waren Alina Peter, Sophie Schäfer und Sascha Brück, welche sich zu dritt die Rolle der Hauptperson Josh teilten. Immer wieder wurde geschickt der Schauspieler gewechselt oder es standen sogar alle drei gemeinsam auf der Bühne. Aber auch dies war keineswegs störend oder fremdartig, sondern wirklich mal etwas Besonderes, etwas Neues. So wirkte es um einiges flüssiger, authentischer und tiefgründiger.
Insgesamt hat dieses Stück wohl letztlich jeden berührt und man war beinahe aufrichtig bekümmert, als es dann endete. Das Bild, das im Gedächtnis haften bleibt, ist ein aus Holzblöcken (den einzigen Requisiten) zusammengeschobenes Kreuz, auf dem zwei erloschene Kerzen stehen.
Und dann am Ende:
tiefe Verbeugungen, schallender Applaus, tosender Beifall, fröhliche
Beglückwünschungen.
Aber trotzdem: man verlässt den Treffpunkt mit einem mulmigen Gefühl in der
Magengegend. Eine Art kleiner Stich, der einem zusetzt und bis nach Hause
verfolgt.
Es ist eben „keine leichte Kost“ wie auch schon Herr Lambert zu Beginn der Aufführung warnte.
Kristin Wenzel, Jahrgangsstufe Q3
Aus HNA Fritzlar vom 31.08.2010
Fritzlar. „Warum hast du mich getötet?“, fragen die Opfer des Amokläufers
Josh. So beginnt das Theaterstück „Bang Bang, you’re dead“, das die
Darstellendes-

Die Laienschauspieler der Ursulinenschule bei der Probe:
Die drei Hauptdarsteller (sitzend, von links) Sophie Schäfer, Sascha Brück und
Alina Peter spielen gemeinsam Josh, der sich vor Gericht für einen Amoklauf
verantworten muss. Foto: M.Koch
Josh liegt auf einer Bank und um ihn herum liegen tote Körper. Nach und nach erheben diese sich und gehen als Geister auf ihn zu. Immer eindringlicher, immer lauter wird die Frage, warum sie sterben mussten, und immer mehr wird der Amokläufer in die Ecke gedrängt.
Das Stück stammt von William Mastrosimone, der es zur freien Verfügung ins Internet stellte. „Er sagte: Führt es auf, aber auf keinen Fall mit Waffen“, erklärt Frank Lambert, Lehrer für Darstellendes Spiel.
In dem Stück geht es um den Amokläufer Josh, der im Gefängnis von seinen Opfern heimgesucht wird. Es werden Rückblicke auf sein Leben vor dem Amoklauf gezeigt: Sein Verhältnis zu den Eltern, sein Jagdausflug mit dem Großvater und seine Beziehung, die in die Brüche gegangen ist, sind Stationen. Immer wieder kommt die Frage nach den Gründen des Amoklaufs auf. Josh, der sich anfangs noch uneinsichtig zeigt, bekommt ein immer schlechteres Gewissen.
Mit viel Engagement
Die 17 Schüler der 13. Klasse trafen sich zwei Mal in der Woche für insgesamt drei Schulstunden, um das Stück einzuüben. „Sie sind mit viel Engagement bei der Sache“, sagt Lehrer Lambert. „Der Kurs ist sehr beliebt, wahrscheinlich weil der Unterricht nicht so verschult ist“. Die Stunden bestünden hauptsächlich aus praktischen Übungen, in denen die Schüler ihre Szenen probten.
Zunächst gab es nur eine Theater-
Von Miriam Koch
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