Unsere Reise nach Wisconsin
Die Vorbereitungen für den Schüleraustausch, der alle zwei Jahre zwischen der
Ursulinenschule und der Middelton Highschool stattfindet, liefen schon seit
Monaten; Jeden zweiten Mittwoch trafen wir uns zur allgemeinen Besprechung der
Lage, zum Sammeln von Ideen und zu der Verteilung der Aufgaben. Am 08.10. war
schließlich der Tag der Abreise gekommen. In aller Frühe (05:45!) trafen wir uns
an der Allee, um wenige Stunden später den Frankfurter Flughafen mit dem Bus zu
erreichen. Genügend Zeit also, um den von Frau Menzel hinreichend als horrend
beschriebenen und in der AG in Form eines Rollenspiels geprobten Check-in sowie
die Passkontrollen hinter uns zu lassen um den ausstehenden Flug um 12:45 Uhr zu
nehmen. Am selben Tag, jedoch 9 Stunden und 30 Minuten später, landeten wir an
einem verregneten Chicagoer Flughafen, dessen großen, weißen Hallen, welche mit
Ventilatoren gelüftet wurden, unter denen wir uns den Rotor eines kleinen
Hubschraubers vorstellen, den Frankfurter Flughafen nur noch winzig erscheinen
lassen.
Doch hier waren die Strapazen noch nicht am Ende, denn vor der Tür stand schon
der Bus bereit, der uns innerhalb von weiteren drei Stunden auf einem
schnurgeraden Highway zu unserem Ziel bringen sollte: Die Middelton Highschool
in Wisconsin. Dort warteten wir gespannt auf unsere Gastfamilien, die uns mit
Schildern bewaffnet willkommen hießen. Am nächsten Morgen fanden wir uns wieder
zur täglichen ersten Stunde zusammen, um erste Eindrücke zu besprechen. Vor uns
lagen drei schöne, jedoch sehr kalte Wochen voller „Aha-Momenten“ und einem
straffen Programm, das unter anderem den Besuch bei einem Fernsehsender, einem
brandneuen Fire-Department, dem Kapitol und natürlich eine Willkommens- bzw.
Abschiedsparty enthielt. Dennoch hatten wir noch jede Menge Tage, in denen wir
das Amerikanische Schulsystem näher kennen lernen durften bzw. mussten. Die
größten Unterschiede waren wohl schon am Stundenplan zu erkennen. Man hatte
jeden Tag die gleichen 7 Stunden Unterricht, ohne 5 oder 15minütigen Pausen und
eine Unterrichtseinheit dauerte 50 Minuten, was gefühlt ein riesiger
Unterschied ist. Anschließend ging man in sein jeweiliges Sportteam für weitere
90 Minuten. Wer morgens großen Hunger hat, kommt in Amerika voll auf seine
Kosten; Die Mittagspause begann bereits um halb 11 und serviert wurde, wer hätte
es gedacht, Pizza mit Hackfleisch und Käse, sowie Hamburger mit Pommes und
natürlich Chips. Chips in allen Formen und Farben zu jeder Mahlzeit, quasi als
Nahrungsergänzungsmittel. Wer bei schätzungsweise 4 Fastfood Restaurants pro
Quadratmeile nicht in Verlockung kam, hat einen starken Willen. Oder ist
Vegetarier.
Und ehe man sich versah, waren die 3 Wochen schon fast am Ende. Nun stand noch
der gemeinsame Ausflug nach Chicago bevor, den die meisten sehnlichst
erwarteten. So fuhren wir also wieder in den Nachbarstaat Illinois, um uns von
einer amerikanischen Großstadt beeindrucken zu lassen, um unser Restgeld in den
Shoppingmalls an den Mann zubringen und unsere viel zu knapp bemessene Zeit
unserem Programm zu widmen. Erster Punkt war das Unterwassermuseum „Shedd-Aquarium“,
gefolgt von einer Bootstour durch und vor Chicago, wobei wir die Möglichkeit
bekamen, die ganze Skyline auf nur ein Foto zu bekommen. Danach kehrten wir in
Gino´s Pizza ein, wo für unser leibliches Wohl genügend gesorgt wurde, auch wenn
die original Chicagoer Pizza nicht jeden Geschmack getroffen hat. Dennoch
gesättigt verabschiedeten wir uns von unseren Amerikanischen Freunden, brachten
unser Gepäck in einem Hotel unter und brachen zu unserer Wanderung von 20 Blocks
bei strömendem Regen, der auf dem Rückweg noch heftiger wurde, zum Hancock Tower
auf, um mit dem schnellsten Aufzug Nordamerikas nach oben zu gelangen. Von dort
aus bot sich uns ein eindrucksvoller Anblick, da es nun spät am Abend war und
ganz Chicago im Licht erstrahlte. Zu unserem Rückflug brachen wir nicht ganz so
früh auf und da wir uns auch kaum noch Kontrollen unterziehen mussten, blieb
uns viel Zeit. Zeit um an unzähligen Bildschirmen die Wetternachrichten zu
verfolgen, die nichts Gutes verlauten ließen. So hatten wir die ersten zwei
Stunden auf unserem Rückflug extreme Turbolenzen, die so stark waren, das sich
die Flugbegleiter auf den Boden legen mussten und teilweise die Gepäckklappen an
der Decke aufsprangen. So erreichten wir nach 7 ½ Stunden völlig erschöpft
Frankfurt, von wo wir uns mit dem Zug nach Wabern aufmachten, wo unsere Familien
schon warteten. Doch Strapazen hin oder her, der Austausch war ohne große
Vorkommnisse glatt gelaufen und nun freuen wir uns sehr auf den Besuch unserer
neuen Freunde in Deutschland.
Ein Bericht von Andreas Wefing
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