Ursulinenschule Fritzlar

Amerikaaustausch 2009/2010


Unsere Reise nach Wisconsin

Die Vorbereitungen für den Schüleraustausch, der alle zwei Jahre zwischen der Ursulinenschule und der Middelton Highschool stattfindet, liefen schon seit Monaten; Jeden zweiten Mittwoch trafen wir uns zur allgemeinen Besprechung der Lage, zum Sammeln von Ideen und zu der Verteilung der Aufgaben. Am 08.10. war schließlich der Tag der Abreise gekommen. In aller Frühe (05:45!) trafen wir uns an der Allee, um wenige Stunden später den Frankfurter Flughafen mit dem Bus zu erreichen. Genügend Zeit also, um den von Frau Menzel hinreichend als horrend beschriebenen und in der AG  in Form eines Rollenspiels geprobten Check-in sowie die Passkontrollen hinter uns zu lassen um den ausstehenden Flug um 12:45 Uhr zu nehmen. Am selben Tag, jedoch 9 Stunden und 30 Minuten später, landeten wir an einem verregneten Chicagoer Flughafen, dessen großen, weißen Hallen, welche mit Ventilatoren  gelüftet wurden, unter denen wir uns den Rotor eines kleinen Hubschraubers vorstellen, den  Frankfurter Flughafen nur noch winzig erscheinen lassen.
 

Doch hier waren die Strapazen noch nicht am Ende, denn vor der Tür stand schon der Bus bereit, der uns innerhalb von weiteren drei Stunden auf einem schnurgeraden Highway zu unserem Ziel bringen sollte: Die Middelton Highschool in Wisconsin. Dort warteten wir gespannt auf unsere Gastfamilien, die uns mit Schildern bewaffnet willkommen hießen. Am nächsten Morgen fanden wir uns wieder zur täglichen ersten Stunde zusammen, um erste Eindrücke zu besprechen. Vor uns lagen drei schöne, jedoch sehr kalte Wochen voller „Aha-Momenten“ und einem straffen Programm, das unter anderem den Besuch bei einem Fernsehsender, einem brandneuen  Fire-Department, dem Kapitol und natürlich eine Willkommens- bzw. Abschiedsparty enthielt. Dennoch hatten wir noch jede Menge Tage, in denen wir das Amerikanische Schulsystem näher kennen lernen durften bzw. mussten. Die größten Unterschiede waren wohl schon am Stundenplan zu erkennen. Man hatte jeden Tag die gleichen 7 Stunden Unterricht, ohne 5 oder 15minütigen Pausen und eine Unterrichtseinheit dauerte 50  Minuten, was gefühlt ein riesiger Unterschied ist. Anschließend ging man in sein jeweiliges Sportteam für weitere 90 Minuten. Wer morgens großen Hunger hat, kommt in Amerika voll auf seine Kosten; Die Mittagspause begann bereits um halb 11 und serviert wurde, wer hätte es gedacht, Pizza mit Hackfleisch und Käse, sowie Hamburger mit Pommes und natürlich Chips. Chips in allen Formen und Farben zu jeder Mahlzeit, quasi als Nahrungsergänzungsmittel. Wer bei schätzungsweise 4 Fastfood Restaurants pro Quadratmeile nicht in Verlockung kam, hat einen starken Willen. Oder ist Vegetarier.

Und ehe man sich versah, waren die 3 Wochen schon fast am Ende. Nun stand noch der gemeinsame Ausflug nach Chicago bevor, den die meisten sehnlichst erwarteten. So fuhren wir also wieder in den Nachbarstaat Illinois, um uns von einer amerikanischen Großstadt  beeindrucken zu lassen, um unser Restgeld in den Shoppingmalls an den Mann zubringen und unsere viel zu knapp bemessene Zeit unserem Programm zu widmen. Erster Punkt war das Unterwassermuseum „Shedd-Aquarium“,  gefolgt von einer Bootstour durch und vor Chicago, wobei wir die Möglichkeit bekamen, die ganze Skyline  auf nur ein Foto zu bekommen. Danach kehrten wir in Gino´s Pizza ein, wo für unser leibliches Wohl genügend gesorgt wurde, auch wenn die original Chicagoer  Pizza nicht jeden Geschmack getroffen hat. Dennoch gesättigt verabschiedeten wir uns von unseren Amerikanischen Freunden, brachten unser Gepäck in einem Hotel unter und brachen zu unserer Wanderung von 20 Blocks bei strömendem Regen, der auf dem Rückweg noch heftiger wurde, zum Hancock Tower auf, um mit dem schnellsten Aufzug Nordamerikas nach oben zu gelangen. Von dort aus bot sich uns ein eindrucksvoller Anblick, da es nun spät am Abend war und ganz Chicago im Licht erstrahlte. Zu unserem Rückflug brachen wir nicht ganz so früh auf  und da wir uns auch kaum noch Kontrollen unterziehen mussten, blieb uns viel Zeit. Zeit um an unzähligen Bildschirmen die Wetternachrichten zu verfolgen, die nichts Gutes verlauten ließen. So hatten wir die ersten zwei Stunden auf unserem Rückflug extreme Turbolenzen, die so stark waren, das sich die Flugbegleiter auf den Boden legen mussten und teilweise die Gepäckklappen an der Decke aufsprangen. So erreichten wir nach 7 ½ Stunden völlig erschöpft Frankfurt, von wo wir uns mit dem Zug nach Wabern aufmachten, wo unsere Familien schon warteten. Doch Strapazen hin oder her, der Austausch war ohne große Vorkommnisse glatt gelaufen und nun freuen wir uns sehr auf den Besuch unserer neuen Freunde in Deutschland.

   

Ein Bericht von Andreas Wefing